Der Maikammer Chardonnay 2025 führt den eingeschlagenen Weg konsequent weiter: weg vom Konzeptwein, hin zu einem klar definierten Ortswein mit Herkunft und Handschrift. Der Großteil stammt inzwischen aus jüngeren Anlagen im Kapellenberg, geprägt von massiven Kalksteinformationen und tonhaltigen Böden – ein Fundament, das dem Wein von Beginn an Struktur und Spannung verleiht.
Die burgundische Genetik der Reben, gepflanzt 2020 und 2021, zeigt sich bereits erstaunlich präzise. Vergoren und ausgebaut wurde spontan im 500-Liter-Tonneau, ohne Schönung und nur mit moderater Schwefelgabe. Der Stil bleibt dabei bewusst reduziert – weniger „Naturwein-Attitüde“, mehr Fokus auf Klarheit, Textur und Herkunft.
Nach der Lese werden die Trauben direkt gepresst – inklusive „Dreck und Speck“, also ohne Vorklärung – und gelangen in gebrauchte Barrique- und Tonneau-Fässer, wo sie in Zweit- und Drittbelegung reifen. Unfiltriert und mit einer dezenten Schwefelgabe abgefüllt, zeigt der Wein bereits in der Flasche eine beeindruckende, reduktive Spannung.
Im Glas zeigt sich ein helles Goldgelb, die Nase wirkt zunächst zurückhaltend, dann zunehmend offen: saftige Birne, feine Blüten, dazu eine kühle, kalkige Würze. Kein lauter Chardonnay, sondern einer, der sich über Struktur und Tiefe definiert.
Am Gaumen setzt sich diese Linie fort. Die Säure ist fein und elegant eingebunden, der Körper eher filigran, aber mit Zug. Die Frucht bleibt bewusst im Hintergrund, getragen von einer subtilen Würze und einem mineralischen Kern. Mit etwas Luft gewinnt der Wein deutlich an Ausdruck, ohne seine Präzision zu verlieren.
Dieser Seckinger Chardonnay Maikammer Ortswein ist ein sehr eigenständiger Chardonnay, der irgendwo zwischen den ausdrucksstarken Village-Weinen Deutschlands à la Huber oder Keller und naturbelassenen Chardonnays aus dem Burgund oder Jura liegt. Das ist kein Chardonnay, der über Opulenz funktioniert, sondern über Balance und Trinkfluss. Gerade zu puristischeren Gerichten – etwa gegrilltem Halloumi mit Zitronen-Joghurt oder einfacher, aromatischer Küche – spielt er seine Stärke aus. Ein stiller, aber sehr klarer Schritt in Richtung Terroir.